kohr-akademie

WAS BLIEB?

Zum Beispiel regionale Kulturarbeit in den Hohen Tauern …

Nachdem Leopold Kohr in den 1980er-Jahren in seiner alten Heimat Salzburg wieder „entdeckt“ worden war, kam dort unter seiner Patronanz ein Dorferneuerungsprogramm in Gang. Es wird in der Region Oberpinzgau von einigen Gemeinden verwirklicht. Basis ist der gemeinnützige Kulturverein Tauriska in Neukirchen am Großvenediger, dem auch die Leopold Kohr-Akademie angeschlossen ist. Gegründet wurde der Verein von dem Salzburger Kulturmanager Alfred Winter, der den Austro-Amerikaner für Salzburg wieder „entdeckte“. Tauriska fördert regionale Identitäten, Menschen und Talente, „gräbt“ Erhaltenswertes, Altes und Neues aus und ermöglicht praktische Projekte. Regionalität, Tradition und Modernität in einer globalisierten Welt werden dabei als strategische Vorteile für das schwierige Wirtschaften in der Bergregion gesehen, wo es für Menschen und Betriebe oft viel härter ist als in flacheren Regionen oder Zentralräumen.

Die Kulturmanager Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter haben Tauriska – zusammen mit Impulsgeber Alfred Winter (bis zu seiner Pensionierung war er Leiter der Abteilung für kulturelle Sonderprojekte der Salzburger Landesregierung) – zu einer über die Grenzen Österreichs bekannten Institution gemacht. Im Sinn von Leopold Kohr. Auch der Philosoph begleitete den Verein bis zu seinem Tod im Jahr 1994 als dessen Präsident. Regionale Ressourcen und Wirtschaftskreisläufe zu stärken, das ist eines der Hauptziele. Tauriska hat auch Partner in anderen Regionen: Südtirol, Bayern, den norddeutschen Bundesländern Bremen und Nordrhein-Westfalen. Fachtagungen ergänzen diese Kontakte. Die Leopold-Kohr-Akademie hat inzwischen auch an der Universität Salzburg einen festen Platz – mit Lehrgängen, Ringvorlesungen und der Verleihung des Leopold-Kohr-Preises an aufstrebende junge Wissenschaftler oder schlagkräftige Routiniers, die sich um regionale Entwicklung kümmern. Man nutzt auch Kohrs internationale Fangemeinde bis nach Übersee, um Philosophen, Ökonomen, Vor- und Querdenker in die Region Salzburg einzuladen.

1999 gab es ein international – auch von Medien – stark beachtetes Treffen von Trägern der Alternativen Nobelpreise. Die Palette reichte von Biobauern aus Costa Rica bis zu Dorferneuerern und Regionalisten aus Finnland sowie Aktivisten von Menschenrechtsbewegungen aus Lateinamerika, Afrika und Asien. Es gab Salzburg- und Kohr-Wochen in Bremen, Symposien, Ausstellungen in Skandinavien, Russland, Bayern oder in der ehemaligen deutschen Bundeshauptstadt Bonn. Dazu kommen TV-Dokumentationen über den Philosophen, die auch an Schauplätzen seines Lebens in Übersee gedreht wurden.

Tauriska dokumentiert Schätze des alten Handwerks und des alpinen Brauchtums.So erfahren zum Beispiel auch die Handwerkstechniken des Filzens, Klöppelns oder Korbmachens eine Wiederbelebung. Die Holzkunstwerke des ehemaligen Tagelöhners und Knechtes Thomas de Martin („Steinberg-Thoma“) sind ein Beispiel dafür, ebenso der erste Bio-Kratergarten Österreichs in Bramberg – in seiner Vielfalt seit vielen Jahren ein „Garten Eden“. Tauriska lässt moderne Kunst mit alpiner Kulturlandschaft und wilder Natur verschmelzen – beispielsweise mit einer spektakulären „Seillegung“ über die Krimmler Wasserfälle. Und der Kulturverein gibt Orientierung im Sinn des Wortes – mit dem Kunstwerk „Leuchtturm“ von Margot Salchegger in Mühlbach im Oberpinzgau, einem Anziehungspunkt für Radler und Wanderer.

Tauriska startete schon vor Jahrzehnten die ersten Bauernmärkte mit Selbstvermarktung regionaler Produkte. Es entstehen Bücher (z.B. „Essen und Sprache“) und Ausstellungen über uralte, dennoch zeitgemäße, köstliche und robuste Apfelsorten des Berglandes. Dazu kommen lokal- und regionalgeschichtliche Dokumentationen in Verbindung mit Schulprojekten und Konzepten für den Tourismus. Die alpine Berglandwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Deren Überleben – in Zeiten der Bedrohung durch Lebensmittel-Skandale, Preisdumping, Massenware und Industrial Farming in flachen Regionen Europas – hängt wesentlich davon ab, ob die Bergbauern im modernen Alpentourismus als Lieferanten von sauberer und hochwertiger Nahrung integriert werden können. Tauriska und die Leopold-Kohr-Akademie laden ähnliche Initiativen in anderen Regionen, Staaten und Erdteilen zur Zusammenarbeit ein. Auf den großen Durchbruch in der internationalen Politik wartet Kohrs Fangemeinde noch immer. Kohr ließe sich dadurch nicht verunsichern, denn über große Durchbrüche hätte sich der Kleinheitsapostel und austroamerikanische Weltbürger ohnehin nur lustig gemacht.

Kulturverein TAURISKA | Leopold Kohr-Akademie
Kammerlanderstall 15a
A-5741 Neukirchen am Großvenediger
Tel: +43 (0) 6565 6145
Mobil: +43 (0) 664 5205203
Fax: +43 (0) 6565 6145-4
E-Mail: office@tauriska.at
http://www.tauriska.at

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Das Buch ist im Frühling 2014 im Verlag Edition Tandem (Salzburg) erschienen.

Lehner, Gerald: Das menschliche Maß. Eine Utopie? Gespräche mit Leopold Kohr über sein Leben. Verlag Edition Tandem. Salzburg 2014. ISBN 978 – 3 – 902932 – 01 – 3

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